Primärbedarf: Verschiebung vs. Verzögerung
In den Einstellungen der Szenarien kann die Option "Primärbedarf verschieben, wenn nicht einplanbar” aktiviert werden. Damit lässt sich steuern, ob ein Primärbedarf bei einem Engpass verschoben wird oder ob eine reine Visualisierung der Verzögerung in der Oberfläche erfolgt.
Arten von Engpässen
Zeitlicher Engpass
Der Zieltermin ist nicht haltbar, da es zeitlich nicht mehr möglich ist. z. B. wenn der Zieltermin vor dem Planungsheute liegt.
Materialengpass
Benötigtes Material steht nicht rechtzeitig zur Verfügung.
Kapazitätsengpass
Für die rechtzeitige Fertigung steht nicht genügend Kapazität zur Verfügung.
Diese Art kann nur bei einer finiten Terminierung entstehen.
Er liegt dann vor, wenn die Einplanung von Arbeitsgängen im Zuge der Durchlaufterminierung auf bereits belegte Tagesbuckets trifft und die Einplanung in Folge vor dem Idealzeitpunkt laut Rückwärtsterminierung erfolgen muss.
Erst wenn einer oder mehrere Kapazitätsengpässe im Auftragsnetz in Summe dazu führen, dass die Einplanung nicht mehr möglich ist, wird der Primärbedarfstermin verschoben.
Vorgehen bei einer Verschiebung
Wenn die gesamte Lieferkette eines Primärbedarfs aufgrund eines Engpasses rückwärts nicht einplanbar ist, dann sucht der Planungsalgorithmus nach einem neuen Zieltermin des Primärbedarfs, zu dem eine Einplanung erstmals möglich ist.
Hierbei wird die Verspätung so gering wie möglich gehalten.
Der neue Zieltermin wird über eine binäre Suche unter Verwendung der Rückwärtsterminierung ermittelt. Hierfür wird der Zieltermin Stück für Stück so oft virtuell in die Zukunft verschoben, bis der Bedarfstermin mit möglichst geringer Verzögerung einhaltbar ist.
Dieses Vorgehen wird umgangssprachlich auch Vorwärtsterminierung genannt. Es handelt sich aber nicht um eine klassische Vorwärtsterminierung.
Aus diesem Vorgehen resultieren erhebliche Unterschiede im Gegensatz zur Vorwärtsplanung:
Alle Teil-Äste eines komplexen Auftragsnetzes werden ebenso anhand des neuen, virtuellen Bedarfstermin terminiert, so dass weiterhin eine Rückwärtsterminierung (just in time) für das gesamte Auftragsnetz gilt.
Bei einer klassischen Vorwärtsterminierung würden alle Teil-Äste des Endprodukts sofort zum Fertigungsstart eingeplant.
💡 Die Deckung von Materialbedarfen durch bestehende Zugänge orientiert sich folglich auch an der Rückwärtsterminierung und nicht genutzte Zugänge stehen für andere nicht verspätete Primärbedarfe zur Verfügung (ATP Prinzip).
Harte Einschränkungen
Mit den Optionen “Materialverfügbarkeit Einkauf als harte Einschränkung betrachten” oder “Bereits bestellte Externleistungen als harte Einschränkung betrachten” kann gesteuert werden, ob der Engpass zu einer Terminverschiebung führt oder ob ein Verzögerung angezeigt werden soll. Im Falle der Verzögerung wird auch eine Ausnahmemeldung erzeugt.
Damit die Optionen zu einer Terminverschiebung führen, muss die Option aktiv sein.